„Ich reite nur!“ – Über Ausgleichssport

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„Reiten ist sehr wohl ein Sport!“ wettern Reiter, wenn ihnen Freunde und Bekannte vorwerfen ja eh nur da zu sitzen und schön auszusehen.

Wenn wir schon so darauf bestehen, dass Reiten ein Sport ist, sollten wir auch Ausgleichssport betreiben, um Muskelpartien, die beim Reiten nicht so viel beansprucht werden zu stärken.

Ich selbst halte seit einem dreiviertel Jahr meine Sportroutine ein: Fünfmal die Woche geht es ins Fitnesstudio oder daheim an die Geräte, einmal die Woche joggen, klettern, Trampolin springen,… Was eben so Spaß macht!

Die einzige Ausnahme, in den letzten 9 Monaten war für mich meine Weisheitszahn – OP, hier musste ich tatsächlich aussetzen und das Bett hüten. Und der Sport hat mir tatsächlich gefehlt?! Alles eine Gewöhnungssache!

Ich war zuvor wenig einsichtig und fand Ausgleichssport unnötig; mir hat zugegebenermaßen auch die Motivation gefehlt, und wie ich mir einreden wollte, auch die Zeit. Natürlich bin ich kein Experte, aber hier mal einige der Gründe, weswegen ich mittlerweile Sport in meinen Alltag integriert habe und wieso mir das beim Reiten hilft:

  1. Mentaltraining – Von Pausen, Durchhalten und Aufgeben!

Wir ertappen uns immer wieder dabei, wie wir mal vergessen beim Training mit dem Pferd ausreichend Pausen einzulegen oder genügend zu loben. Man ist einfach so vertieft in seine Arbeit. Manchmal bleibt man auch allzu hartnäckig dran, wenn es einfach nicht klappen will. Prinzipiell ist Durchhaltevermögen ja wunderbar, doch wenn man eigenen Sport betreibt und merkt, wie kompliziert es eigentlich ist, ungewohnte Übungen auf Anhieb richtig auszuführen und wie schwer es ist einfach weiterzumachen, obwohl man wirklich lieber mit der Tüte Chips auf dem Sofa läge. Man bekommt noch mehr Verständnis für schlechte Tage und kann sich besser ins Pferd hineinversetzen.  Das Training wird insgesamt effektiver, da man ein noch besseres Gefühl für den Aufbau der Einheit bekommt.

Außerdem bleibe ich persönlich deutlich geduldiger, ausgeglichener und ruhiger. Zusätzlich bin ich motivierter an meinem Sitz zu arbeiten, da ich ja auch hinein investiere.

2. Sich aufraffen

Heute: Die verhasste Arbeit: „Das klappt ja eh fast nie.“ Diese Gedanken darf man sich vor dem Reiten generell nicht erlauben, manchmal hat man sie trotzdem. Doch wer selbst mal gemerkt hat, wie es von Laufeinheit zu Laufeinheit weniger anstrengend wurde durch die Gegend zu laufen :D, wird immer motiviert an den Ritt herangehen: „Vielleicht klappt es ja heute ein bisschen besser.“ Also aufraffen und auch mal das machen, was keinen Spaß macht!

Weswegen macht es nämlich keinen Spaß? Weil es nicht so klappt, wie man es sich vorstellt. Aber das beste Gefühl ist ja das, wenn diese Aufgaben dann auf einmal wirklich gut klappen!

Tipp: Gar keine Motivation für Sport? Suche dir deine liebsten drei Songs aus deiner Playlist aus und mach dein Workout während guter Musik! In weniger als 15 Minuten kannst du einige Übungen machen, hasst den Hintern hochbekommen und bist am nächsten Tag dann auch gleich wieder dabei. Gestern hast du es ja schließlich auch geschafft! Keine Zeit ist keine Ausrede! Noch besser: Ich habe schon davon gehört, dass man stallintern Grüppchen bildet, die tatsächlich zusammen Kurse im Fitnessstudio belegen und sich gegenseitig motivieren! Vielleicht auch eine Idee für den ein oder anderen!

3. Den Sitz verbessern

Reiten ist kein statischer sondern ein dynamsicher Vorgang, das heißt wer gut sitzen möchte, muss sich gut bewegen können und seinen Körper ganz genau kennen, also ein Gefühl für sich selbst bekommen. Bin ich gerade? Wo belaste ich weniger? Was macht mein Gesäß und warum ist die linke Hand schon wieder über den Mähnenkamm gewandert?

Wir alle haben sie, der eine mehr davon, der andere weniger: Sitzfehler schleichen sich sehr schnell ein und um diese zu korrigieren, brauch es sehr viele korrekte Wiederholungen.  Man sagt es benötigt ungefähr 1000 Wiederholungen um einen Ablauf neu zu erlernen. Gerne versucht man die fehlende Technik durch Kraft auszugleichen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen: Hier möchte ich wieder an eine Prima Ballerina erinnern: Sie erbringt Höchstleistung voller Leichtigkeit, so auch unsere Reitmeister. Wenn die Technik sitzt, wird die Arbeit leichter und feiner.

Selber kippen mir immer wieder meine Schultern vor, ich mache einen Buckel und blockiere so meine Hüfte und die Bewegung des Pferdes. Ich langer Mensch habe manchmal meine Gliedmaßen nicht so ganz unter Kontrolle, das gebe ich gerne zu und bin da auch mein größter Kritiker. Ein Sitzfehler ist nicht nur punktuell sondern wirkt sich auf den kompletten Körper aus.  Also müssen wir den ganzen Körper vielseitig trainieren. Von Pferd und von Reiter! Denn Pferd als auch Reiter sind mehr oder minder schief, damit das nicht zum Problem wird, sollte man neben gutem Training im Sattel auch selber etwas sporteln. So kann man manchmal seine Schiefe besser fühlen, sie sich bewusst machen und sie evtl. ausgleichen.

Natürlich wird man durch das Fitnessstudio, Joggen und durch die Joga Einheit nicht zum Grand Prix Reiter, denn dazu gehört noch ein „kleines bisschen“ 😉 mehr: Aber man ist einen Schritt weiter an seinem Ziel, eine bessere Einheit mit seinem Pferd und sich selber zu werden.

Du bist jetzt also hochmotiviert und möchtest dich etwas einlesen? Diese zwei Bücher kann ich dir persönlich nur empfehlen:

“Setz dich in Bewegung – Funktionelles Bewegungstraining für Reiter mit Übungen für einen besseren Sitz“ von Josef Kastner/Marieke Hübner/Imke Schlömer

„The flexible body“ von Roger Frampton

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